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Pflichtberatung vor Stiefkindadoption

In Deutschland sind 2/3 aller vorgenommen Adoptionen sogenannte Stiefkindadoptionen.

Oftmals liegen diesen Stiefkindadoptionen auch sachfremde Motive zu Grunde, wie etwa die Umgehung ausl├Ąnderrechtlicher Vorschriften oder der Wunsch sich von gesetzlichen Unterhaltspflichten zu befreien. Dann aber werden solche Adoptionen nicht von den tats├Ąchlichen Bed├╝rfnissen und dem Wohl des Kindes geleitet.

Auch wenn der Stiefvater die Adoption vorrangig betreibt, wird dabei h├Ąufig nicht im vollen Umfange erfasst, welche Pflichten sich aus der lebenslangen elterlichen Verantwortung f├╝r das Kind ergeben.

Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber seit 01.04.2021 vorgegeben, dass grunds├Ątzlich vor jedem Antrag auf Stiefkindadoption und vor jeder Einwilligung in eine Stiefkindadoption – welche jeweils notariell zu beurkunden sind – bei minderj├Ąhrigen Anzunehmenden verpflichtend eine Beratung durch eine Adoptionsvermittlungstelle in Anspruch zu nehmen ist.

Wird diese erforderliche Beratungsbescheinigung nicht vorgelegt, ist der Adoptionsantrag gem├Ą├č ┬ž 196a FamFG zur├╝ckzuweisen.

Durch die Beratungspflicht sollen allen Beteiligten die umfassenden und vor allen Dingen nicht mehr r├╝ckg├Ąngig zu machenden und einschneidenden Folgen einer Adoption deutlich gemacht werden.

Hierbei soll auch ein besonderes Augenmerk auf die Beweggr├╝nde, die zur Adoption und auch zur Adoptionsfreigabe gef├╝hrt haben, gelegt werden.

Die Beratung durch die Adoptionsvermittlungsstelle erg├Ąnzt daher die erforderliche notarielle Beratung im Hinblick auf die psychosozialen Aspekte und sollen im Ergebnis vorschnelle und un├╝berlegte Annahmeentscheidungen vermeiden. Auch das Kind ist entsprechend seinem Entwicklungsstand am Verfahren zu beteiligen.

Im Ergebnis ist jedoch lediglich eine Bescheinigung einer Adoptionsvermittlungsstelle ├╝ber die durchgef├╝hrte Beratung erforderlich – sie dient daher lediglich zum Nachweis der durchgef├╝hrten Beratung.

Die Adoptionsvermittlungstelle muss die Adoption nicht bef├╝rworten. Das hei├čt selbst wenn sie die Adoption als kindeswohlsch├Ądlich ansehen w├╝rde, k├Ânnte die Adoption durchgef├╝hrt werden.

Die Entscheidung der Adoption bleibt generell dem Gericht vorbehalten.

Alexandra Salzmann
Fachanw├Ąltin f├╝r Familienrecht